„Ma mou si eisteigern, weil des so pervers is“

Veröffentlicht am 11.10.2011 in Lokalpolitik

Stellvertretender Kreisvorsitzender der SPD hält beim Ortsverein Grafenwöhr leidenschaftliches Referat zur Euro-Krise

Grafenwöhr. (myd) Interessante Inhalte gab es bei der letzten Sitzung des SPD Ortsvereins. Auf Einladung der Vorstandschaft kam der stellvertretende Kreisvorsitzende der SPD, Uli Grötsch, nach Grafenwöhr, um mit den Genossen und Genossinnen über die derzeitige Euro-Krise, der Lage Griechenlands und den Machenschaften auf den finanzmärkten zu diskutieren. Bedarf ist bei diesem hochaktuellen auf jeden Fall gegeben. Uli Grötsch bekannte sich dazu, dass die Sozialdemokratie für ihn eine Lebenseinstellung sei und lobte die Arbeit der örlichen SPD. „Grafenwöhr ist schon ein ganz besonderes Pflaster“, bekannte er,“ bis woanders jemand auf die Idee kommt, für ein Projekt finanzielle Hilfe anzufordern, hat Bürgermeister Wächter die Fördertöpfe schon angezapft oder sogar den ersten Spatenstich schon getätigt.“
Dann schwenkte er auf die Euro-Krise um. „Diese Krise, auch die Griechenland-Krise ist ein sehr komplexes Thema“, führte er an. Rösler, Gauweiler und Teile der CSU meinten:“Die Griechen lassen wir insolvent gehen!“. „Er kommt einem fast so vor, als müssen diese eurokritisch sein, um an den Stammtischen wieder Stimmen fangen zu können. Doch was passiert, wenn ein Land insolvent wird? Es würden keine Renten mehr ausgezahlt werden, das Postsystem nicht mehr funktionieren,der öffentliche Dienst und Rettungsdienst in Griechenland bekäme kein Geld mehr, Feuerwehr, Armee und Polizei würden ihren Dienst quittieren. Zu welchen Zuständen würde das führen? Wie teuer würde das dann werden?“, rüttelte der Redner auf.

Ursache der Griechenland-Krise liegt bei den Rating-Agenturen und Gebaren der Weltfinanzmärkte

Die Griechen sind nicht die Ursache der Eurokrise, betonte der Redner. Vielmehr sehe er die Gründe für das Dilemma bei den Rating-Agenturen und bei den Weltfinanzmärkten. Dazu holte er aus:“Jeder Staat finanziert sich über Kredite, die zurückgezahlt werden. Pervers scheint, dass auf den Weltfinanzmärkten Wetten im mehrstelligem Milliardenbereich abgeschlossen werden. Regina Conrad steuerte bei, dass die Hungersnot in Somalia und anderen afrikanischen Ländern deshalb so ein großes Ausmaß annahm und Milliarden von Menschen sterben, weil auf den Preis von Weizen gewettet wurde. Grötsch unterstrich: „Es kann nicht sein, dass Banken und Private auf das Schicksal von Menschen wetten. Ma mou si ei steigern, weil des so pervers is.“ Auch die Rating-Agenturen tragen einen erheblichen Teil dazu bei. Je schlechter ein Land bezüglich seiner Finanz- oder Wirtschaftskraft bewertet wird, um so höhere Zinsen müsse es für Kredite zahlen. Das hat das Land Griechenland in den letzten zwei Jahren niedergeschlagen.
Um dem Dilemma entgegentreten, gibt es den Europäischen Rettungsschirm. „Das ist eine ganz gute Sache“, meint dazu der Redner. Die Staaten der Eurozone bürgen für insgesamt 780 Milliarden Euro (Deutschland davon mit 221 Milliarden Euro) für Länder, die schlechter bewertet sind. Durch die Bürgschaft bekommen diese den niedrigeren Zinssatz und sind somit eher in der Lage sich aus ihrer finanziellen Schieflage zu befreien.
Als besonders wichtigen Schritt sieht Grötsch die Regulierung der Finanzmärkte, das Problem sollte
seines Erachtens am Besten in Verbindung mit Frankreich angegangen werden.
In der anschließenden angeregten Diskussion konnte der Redner etliche Fragen klären. Abschließend bedankte sich der Ortsvorsitzende der SPD, Klaus Beier für die interessanten Ausführungen und überreichte ein kleines Präsent.

 

Mandatsträger

Europaabgeordneter Ismail Ertug

MdB Uli Grötsch

MdL Annette Karl

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